Industrielle Reproduktionsschemata: Austausch zwischen und innerhalb der beiden Abteilungen¶
Marx fasst die verschiedenen industriellen Branchen in zwei Abteilungen zusammen und abstrahiert damit von den Besonderheiten der verschiedenen Branchen (vgl. MEW 24, 368). Die beiden Abteilungen werden hinsichtlich der Zweckbestimmung der produzierten Waren unterschieden:
- Abteilung I: »Produktionsmittel, Waaren, welche eine Form besitzen, worin sie in die produktive Konsumtion eingehn müssen oder wenigstens eingehn können« (MEGA II.13, 367 / MEW 24, 394)
- Abteilung II: »Konsumtionsmittel, Waaren, welche eine Form besitzen, worin sie in die individuelle Konsumtion der Kapitalisten- und Arbeiterklasse eingehn« (MEGA II.13, 367 / MEW 24, 394)
Industriellen Reproduktionsschemata: In jeder Abteilung können variables Kapital \(v\) und konstantes Kapital \(c\) sowie Mehrwert \(m\) eigenständig behandelt werden. Von diesem Ausgangspunkt her kann der mögliche und notwendige Austausch von Waren und Kapital zwischen beiden Abteilungen visualisiert werden.
- Für die beiden Reproduktionsfälle:
allgemeine Hinweise und Erläuterungen zur Darstellung der Reproduktionsschemata dieser beiden Reproduktionsfälle
- notwendige Darstellungsergänzung: Der zweite Produktionskreislauf bzw. der zweite Kapitalist in Abteilung I ist in diesem Schema zur Darstellung nur deshalb nötig, weil es nicht sinnvoll ist, dass sich ein Produktionsprozess seine Produkte selbst wieder als Produktionsmittel zur Verfügung stellt. In Abteilung II können aber Arbeiter:in und Kapitalist:in sehr wohl die Produkte/Waren der eigenen Produktion selbst konsumieren.
- Ausschluss von fixem Kapital: Bei diesem Schema wird fixes Kapital bewusst ausgeschlossen, um eine Verkomplizierung zu vermeiden. Bei Berücksichtigung von fixem Kapital müsste dies nämlich bei der Bildung von neuem konstantem Kapital (\(c_I\) und \(c_{II}\)) berücksichtigt werden.
-
Unterscheidung zwischen Vorschuss- und Postvorschuss-Vorgang bei der Austauschbewegung:
- Während \(c\) und \(mac\) direkt für den Vorschuss von \(PM\) in \(W_I\) (›Vorschuss-Austausch‹) eingetauscht/transferiert werden (weshalb die gestrichelten Pfeile keine weitere Kommentierung besitzen),
- werden \(v\) und \(mav\) erst nach dem Vorschuss von \(Ak\) als Lohn (›Postvorschuss-Austausch‹) in \(W_{II}\) eingetauscht (weshalb deren Pfeile eine Kommentierung besitzen).
- Also: Um mit \(c\) \(PM\) vorzuschießen, wird mit \(c\) \(W_I\) (als \(PM\)) gekauft (blauer gestrichelter Pfeil). Mit \(v\) (als Lohn) kann \(W_{II}\) (als Konsumgut) aber erst gekauft werden, nachdem mit \(v\) \(Ak\) (also variables Kapital) vorgeschossen, der Preis der Arbeitskraft also bezahlt worden ist, d.h. die Arbeiter:in ihren Lohn erhalten hat.
»Wir wissen: das wirkliche variable Kapital besteht aus Arbeitskraft, also auch das zusätzliche. Es ist nicht der Kapitalist I, der etwa von II nothwendige Lebensmittel auf Vorrath kauft, oder aufhäuft für die von ihm zu verwendende zusätzliche Arbeitskraft, wie es der Sklavenhalter thun mußte. Es sind die Arbeiter selbst, die mit II handeln. Dies verhindert aber nicht, daß vom Standpunkt des Kapitalisten aus die Konsumtionsmittel zuschüssiger Arbeitskraft nur Produktions- und Erhaltungsmittel seiner eventuell zuschüssigen Arbeitskraft, also die Naturalform seines variablen Kapitals sind.« (MEGA II.13, 478 / MEW 24, 510)
-
Primat der Übersichtlichkeit: Nicht alle Zirkulations- (also Kauf-)Prozesse (beim rechten Kapitalisten in Abteilung I) sind in diesen Schemata realisiert. Die nicht-benötigten Elemente bzw. Funktionen sind deshalb ausgegraut. Übersichtlichkeit und Eindeutigkeit erhalten hier den Vorrang vor Vollständigkeit.
Zusätzlich zur Visualisierung der Reproduktionsschemata dieser beiden Reproduktionsfälle werden noch folgende Details visualisiert:
- Vergleich: Ideal des äquivalenten Kapital-/Geldaustausch zwischen den beiden Abteilungen
- Bedingungen der Kapitalisierung (= »Realisation«) des Mehrwerts
Legende für die folgenden Unterkapitel
| Variable | Bedeutung |
|---|---|
| \(c\) | derjenige Teil des Kapitals, das für konstantes Kapital vorgeschossen wird |
| \(v\) | derjenige Teil des Kapitals, das für variables Kapital vorgeschossen wird |
| \(mac\) | derjenige Teil des Mehrwerts, der für neues konstantes Kapital vorgeschossen wird |
| \(mav\) | derjenige Teil des Mehrwerts, der für neues variables Kapital vorgeschossen wird |
| \(mk\) | derjenige Teil des Mehrwerts, den der Kapitalist als Revenue erhält und dessen eigener Konsumtion dient |
| \(W_I\) | Waren aus Abteilung I: Produktionsmittel (PM) |
| \(W_{II}\) | Waren aus Abteilung II: Konsumgüter (KG) |
Für Variablen und Formeln im Allgemeinen siehe Variablen und Formeln