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Seiten-Version: 0.6.0 21.06.2026

Mehrwert und Profit

1. Mehrwert und Profit als Differenzierung des Wertüberschusses

Der Unterschied zwischen Mehrwert und Profit besteht in der Frage, zu welchem Teil des Kapitals der ›Wertüberschuss‹ in Bezug gesetzt wird:

Art Form Bezugssystem
Mehrwert = Wesensform des Wertüberschusses Bezug des Wertüberschusses auf das variable vorgeschossene Kapital \(v\)
Profit = Erscheinungsform des Wertüberschusse Bezug des Wertüberschusses auf das gesamte vorgeschossene Kapital \(C\) bzw. den Kostpreis \(K\)

2. Aneignung und Verteilung des Mehrwerts/Profits

(Durchschnitts-)Profit

»Profit = Zins + Profit aller Art + Grundrente« (MEGA II.15, 237)

»Durchschnittsprofit (= Unternehmergewinn plus Zins)« (MEGA II.15, 725–726)

»…« (MEW 25, 250)

»…« (MEW 25, 756)

  • Hinweis zur Höhe der Durchschnittsprofitrate: Weil diejenigen Profite, die von anderen Kapitalisten angeeignet werden (also Grundrente und kommerzieller Profit), vom Mehrwert vor der Bildung des Durchschnittsprofits abgezogen werden, drückt deren Höhe die allgemeine Profitrate1.
  • Denjenigen Profit, der sich in Zins und Unternehmergewinn aufspaltet, bezeichnet Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie (2005), 156 als »Bruttoprofit«.

Siehe ausführlicher zur → Grundrente

3. Exemplarische Veranschaulichung

Erläuterungen: Jede Ebene (industrielles, kaufmännisches, zinstragendes Kapital) gibt der jeweils unter ihr befindlichen (d.h. linken) Ebene weniger Wert, als sie von ihr erhält. Umgekehrt gibt jede Ebene der über ihr befindlichen (d.h. rechten) Ebene mehr, als sie von ihr erhält. Die jeweilige Bilanz ΔΔ der jeweiligen Differenzen Δ (zur niedrigeren und höheren Ebene) begründet den jeweiligen Profit:

ID Beschreibung
1a Mit ihrer lebendigen Arbeit trägt die Arbeitskraft ihren Tauschwert (variables Kapital für den Kapitalisten) zum Wert des Produkts bei.
1b Dafür erhält die Arbeitskraft einen äquivalenten Lohn.
1c Über ihren Tauschwert hinaus trägt die Arbeitskraft jedoch mit ihrer lebendigen Arbeit noch einen weiteren Wertbetrag zum Produktwert bei.
1d Diesen über ihren Tauschwert hinausgehenden Wertbetrag bekommt die Arbeitskraft jedoch nicht entlohnt. Er verbleibt beim industriellen Kapitalisten.
1a–d Die Lohnbilanz versteht sich hier nicht in Bezug auf den Tauschwert der Arbeitskraft (in dieser Hinsicht wird exakt der Tauschwert bezahlt), sondern in Bezug auf den durch die Anwendung der Gebrauchswert der Arbeitskraft erhaltenen Wertüberschuss über den Kostpreis (Mehrwert), der dem Arbeiter, obwohl mit seiner Arbeit geschaffen, nicht entlohnt wird.
2a Das industrielle Kapital übergibt das Produkt (als Ware) an das kaufmännische Kapital.
2b Dafür erhält es den Produktwert abzüglich einer Profitspanne bezahlt.
3b Um die Ware vom industriellen Kapital zu erwerben, hat sich das kaufmännische Kapital vom zinstragenden Kapital Kapital geliehen.
3a Dieses geliehene Kapital zahlt das kaufmännische Kapital nun verzinst an das zinstragende Kapital zurück.

Vgl. zu dieser exemplarischen Übersicht auch:

  • Dussel, Enrique: 16 tesis de economía política. Interpretación filosófica, Siglo XXI Editores: México 2014, 116.
  • Dussel, Enrique: El Marx del »segundo siglo«, in: Ders.: Siete Ensayos de filosofía de la liberación. Hacia una fundamentación del giro decolonial, Editorial Trotta: Madrid 2020, 85–126, hier 105.

Abstraktionsebenen

»Der Übergang von Wert und Mehrwert zu Produktionspreis und Durchschnittsprofit hat es nicht mit einer historischen oder überhaupt zeitlichen Abfolge zu tun, sondern mit einem Übergang zwischen verschiedenen Ebenen der Darstellung: Auf der Ebene von Wert und Mehrwert wird die kapitalistische Tauschvergesellschaftung noch abstrakt gefasst, der Tausch wird allein vom Verhältnis der individuell verausgabten Arbeit zur Gesamtarbeit bestimmt; auf der Ebene von Produkti­onspreis und Durchschnittsprofit wird der Tausch ebenso vom Verhältnis des individuellen Kapitals zum gesellschaftlichen Gesamtkapital bestimmt. Hier kommt zum Ausdruck, dass es beim Tausch nicht allein um die Vergesellschaftung von Wa­renproduzenten geht, sondern um die Vergesellschaftung von kapitalistischen Warenproduzenten.«2


Archiv

Bisheriges Schema

PDF zu industriellen Kapital-Kreisläufen


  1. Vgl. für den kommerziellen Profit: MEGA II.15, 281–282 / MEW 25, 297–298 

  2. Heinrich, Michael: Kritik der politischen Ökonomie. Eine Einführung (= Theorie.org), Schmetterling-Verlag: Stuttgart 32005, 203, 147–148.