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Seiten-Version: 0.6.0 21.06.2026

Die Formbestimmungen des Kapitals bzw. die allgemeine Formel des Kapitals

Um das Kapital formal zu bestimmen bzw. dessen Form zu beschreiben, kann sie von der einfachen Zirkulation (vorkapitalistisch) unterschieden werden.

1. Einfache(r) Zirkulation/Tausch

  • Tauschbewegung \(W_1 – G – W_2\): Eine Ware \(W_1\) wird gegen Geld \(G\) getauscht, um dieses wieder gegen eine andere Ware \(W_2\) einzutauschen.
  • Tauschnutzen:
    • \(W_1\) und \(W_2\) sind qualitativ verschieden.
    • Quantitativ verschieden können sie nicht sein, wenn Äquivalententausch unterstellt wird.
    • Also besteht der grundlegende Nutzen der einfachen Zirkulation darin, eine Ware anderer Qualität (Beschaffenheit) zu erhalten (z.B. zu ihrer Konsumtion).

2. Die »allgemeine Formel des Kapitals«1

  • Tauschbewegung:
    • \(G – W – G'\): Geld \(G\) (mit einer bestimmten Wertgröße) wird gegen eine Ware \(W\) getauscht, um diese wiederum gegen Geld \(G'\) (mit einer größeren Wertgröße) zu tauschen.
    • Dieses Geld \(G'\) kann wiederum gegen eine weitere Ware \(W_2\) getauscht werden, um diese wiederum gegen Geld \(G''\) (mit einer nochmals größeren Wertgröße) zu tauschen usw.
  • Tauschnutzen:
    • \(G\) und \(G'\) können qualitativ nicht verschieden sein, weil es sich um Geld handelt.
    • Sie können aber quantitativ verschieden sein.
    • Also kann der Nutzen dieses Tauschs nur in einer quantitativen Vergrößerung von \(G\) liegen.
  • Argumentation:2
    • (1) Geld als Geld (d.h. als Einheit von Wertmaß und Zirkulationsmittel) stellt die selbstständige Wertausdrucksform dar, die in einer privat produzierenden Gesellschaft zum Ausdruck des unfassbaren, abstrakten Werts zwingend notwendig ist.
    • (2) Gleichzeitig ist die Existenz dieser Selbstständigkeit des Wertausdrucks im Geld innerhalb der einfachen Warenzirkulation nicht dauerhaft, weil diese mit dem Kauf (und Konsumtion) einer Ware endet.
    • (3) Die integrale Bedeutung, die der Wert innerhalb der Ökonomie besitzt, lässt sich nur dann adäquat analysieren, wenn die einfache Zirkulation nicht als selbstständige Form – darin verlöre der Wert seine Funktion als selbstständiger Wertausdruck –, sondern lediglich als Teilmoment eines umfassenderen Prozesses verstanden wird.
    • (4) Die »allgemeine Formel des Kapitals«3 muss also den Wert als selbstständige Wertgestalt belassen: \(G – W – G'\) (mit \(G' > G\))
    • (5) Darin wird der Wert zum Zielpunkt der Zirkulationsbewegung: Dieser Verwertungsprozess des Kapitals ist »maßlos«4 und »endlos«5.
    • (6) Die Verwertungsdynamik ist nicht Resultat einer willentlichen Entscheidung (oder sogar personale Gier), sondern Resultat der monetären Formlogik.

3. Tausch-/Zirkulationsteleologie

›Tausch‹

Mit ›Tausch‹ ist hier nicht ein einzelner Tauschakt (\(G–W\) bzw. \(W–G\)), sondern die jeweilige Gesamtbewegung (\(G–W–G'\) bzw. \(W–G–W\)).

  • In der einfachen Zirkulation \(W_1 – G – W_2\) erhält man eine qualitativ andere Ware, die zur eingetauschten Ware wertäquivalent ist, um sie zu konsumieren und seine Bedürfnisse zu befriedigen.
  • In der Kapitalbewegung \(G – W – G'\) (»allgemeine Formel des Kapitals«) ist das Geld vorher/nachher qualitativ identisch, allerdings hat sich dessen Wertbetrag vergrößert, Ziel ist also die Verwertung des Wertes (d.h. die Zunahme von Wert).

  1. MEGA II.5, 110 / MEGA II.10, 142 / MEW 23, 170 

  2. Vgl. Heinrich: Kritik der politischen Ökonomie (2005), 81f. 

  3. MEGA II.5, 110 / MEGA II.10, 142 / MEW 23, 170. 

  4. MEGA II.5, 107 / MEGA II.10, 139 / MEW 23, 167. 

  5. MEGA II.5, 106 / MEGA II.10, 139 / MEW 23, 166.